StrömstaNET

Eine Kleinstadt auf ihrem Weg in Richtung digitale Infrastruktur

Strömstad ist eine Kleinstadt, die sich auf ihren Weg in eine Infrastruktur fĂŒr die Zukunft gemacht hat. WĂ€hrend des Winters leben hier etwa 13.000 Menschen – eine Zahl, die im Sommer durch Tourismus auf 60.000 anwĂ€chst. Hinzu kommen konsumfreudige Tagestouristen aus Norwegen, die steuerfreie Alkohol und gĂŒnstige Lebensmittel kaufen. Diese große Anzahl von Menschen mit unterschiedlichsten KommunikationsbedĂŒrfnissen beanspruchen die digitale Netzwerkinfrastruktur stark.

Touristen auf der Jagd nach mobilen Empfang und Bandbreite

Wir treffen uns mit Anders Ohlson und Karin Rukin von StrömstaNET zum Kaffee, wĂ€hrend der vorsommerliche Regen draußen vor dem Fenster herabregnet. Sie berichten von Touristen in der Hochsaison, die auf der Jagd nach Mobilempfang die höchstgelegenen Punkte der Stadt aufsuchen, um ungehindert kommunizieren zu können. Der Bedarf nach einer Verbesserung der mobilen Infrastruktur und dem Bau von GlasfaseranschlĂŒssen war groß, aber lange geschah nichts.

Die Wohnbaugesellschaft hatte keine Zeit zu warten

Was StrömstaNET zu einem hervorragenden Beispiel macht, ist, dass eine Tochtergesellschaft der Wohnbaugesellschaft die Notwendigkeit eines Glasfasernetzes frĂŒhzeitig erkannt und die Sache selbst in die Hand genommen hat. Ein Glasfasernetz ist ein gewichtiges Argument dafĂŒr, Menschen dazu zu bewegen, nach Strömstad zu ziehen und dort das ganze Jahr ĂŒber wohnen zu bleiben. Man hatte keine Zeit, auf die Gemeinde zu warten, als man den großen Bedarf an einem modernen Glasfasernetz erkannte, sondern grĂŒndete stattdessen auf eigene Faust StrömstaNET. Zu diesem Zeitpunkt gab es einige wenige Glasfaserkabel zwischen grĂ¶ĂŸeren Unternehmen – mittlerweile werden kontinuierlich neue Netze zu einem beachtlichen Stadtnetz zusammengefĂŒgt.

WĂ€hrend des FrĂŒhlings wird mit voller Kraft in den Gebieten gebaut, in denen die BĂŒrger dauerhaft wohnen – Gebiete, die Touristen ĂŒblicherweise nur wenig aufsuchen. Die Glasfasergemeinschaften sind groß und umfassen sowohl Neubaugebiete von EinfamilienhĂ€usern als auch Siedlungen aus den 1970er Jahren, sowie eher ungewöhnliche Gebiete wie Kebal, ein kleines Venedig am Strömstadtappning, wo sich KanĂ€le und BrĂŒcken zwischen den HĂ€usern schlĂ€ngeln.

Besuch von Rala

Kurz nach Bekanntwerden der Zusage neuer EU-ZuschĂŒsse fĂŒr die Breitbandentwicklung in Schweden stattet RALA Strömstad einen Besuch ab. Mit diesen guten Nachrichten im Ohr meint Anders, dass hoffentlich mehrere Glasfasergemeinschaftsgebiete bereits zum Sommer mit der Verkabelung beginnen können. “Wir hatten mit dem ersten Gebiet GlĂŒck”, meint Karin, “dort hatte man sich bereits dazu entschieden, das Kabelfernsehen auszutauschen, und zu einem gewissen Anteil konnten die Kabelrohre wiederverwendet werden. Außerdem trug der erste Glasfaserausbau dazu bei, dass die Einwohner von Strömstad auf Glasfaser aufmerksam wurden.”

StrömstaNET fiber

FlexibilitÀt, Speziallösungen und enger Dialog

Über die Einwohner Strömstads heißt es, dass sie Neuerungen gegenĂŒber skeptisch seien. Vielleicht hat sich StrömstaNET deshalb von Anfang an durch ungewöhnliche FlexibilitĂ€t bezĂŒglich der Lösungsfindung und Informationspolitik ausgezeichnet. Es war z.B. wesentlich erfolgsversprechender, die Einwohner vor Ort zu treffen, als Informationen zum Glasfasernetz auf herkömmliche Weise zu versenden. Im Hinblick auf den Aufbau des Glasfasernetzes hat man außerdem auf Entgegenkommen und Speziallösungen gesetzt – individuell an jedes GrundstĂŒck angepasst, bei dem das erforderlich war.

Ein Vorteil bei der Arbeit mit Glasfasergemeinschaften in einer Kleinstadt ist die Möglichkeit einer solchen Vorgehensweise, bei der im Dialog ungewöhnliche Lösungen entwickelt werden. In Kebal, dem Venedig Strömstads, hat man z.B. spezielle Kabelverlegungen auf HausoberflĂ€chen oberhalb der Wasserlinie vorgenommen, um das Kabel genau an der fĂŒr das jeweilige GrundstĂŒck geeignetsten Stelle anschließen zu können.

Der Knoten ist geplatzt

StrömstaNET lĂ€uft gut. Herr Anders berichtet, dass der Knoten offensichtlich geplatzt ist, denn die Leute haben das Angebot verstanden – es wurde Vertrauen im Ort geschaffen, und mittlerweile verfĂŒgen so viele Einwohner ĂŒber einen Anschluss an das Glasfasernetz, dass alle Bewohner wissen sollten, was es ist und was den Unterschied ausmacht. Frau Karin ergĂ€nzt, dass es einen enormen Unterschied gemacht hat, die Wohnbaugesellschaft im Hintergrund zu haben: Vorher war die Ablehnung verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig groß, weil Unsicherheit ĂŒber das Thema Glasfaser herrschte. Die Wohnbaugesellschaft im Hintergrund zu haben, schuf aber Vertrauen in das Projekt. StrömstaNET arbeitet kontinuierlich daran, dass die Einwohner die Bedeutung dieser Art von Infrastruktur und die Entwicklungsmöglichkeiten fĂŒr einen kleinen Ort nachvollziehen können, was exemplarisch gelungen zu sein scheint: Bereits im Mai sind 250 EinfamilienhĂ€user verkabelt worden. Das Ziel liegt bei 500 EinfamilienhĂ€usern mit 50% Durchdringung in diesem Jahr – wobei man bereits 80 – 100% erreicht hat, was einen schnelleren Fortschritt als geplant bedeutet. “Wir hatten einen intensiven FrĂŒhling“, meint Anders, und Karin stimmt zu, aber sie berichtigen sich schnell: “Intensiv ist es tatsĂ€chlich immer. Man merkt, dass auch die Offenheit gegenĂŒber Stadtnetzen in Schweden wĂ€chst, und es wird normaler, sich gegenseitig um Rat und Hilfe zu bitten. Viele sind bei der Ortsbegehung in Strömstad dabeigewesen, um sich anzusehen, wie die Arbeit vor sich geht – und um daraus etwas mitzunehmen und gute Beispiele fĂŒr eigene Projekte zu finden.”

En regning dag i Strömstad

Wenn Touristen- und Bausaison kollidieren, sind Effizienz und Kommunikation gefragt

SelbstverstĂ€ndlich stĂ¶ĂŸt man auch auf Hindernisse. Alle, die verkabeln möchten, unabhĂ€ngig vom Standort in Schweden, mĂŒssen Speziallösungen erarbeiten, weil die VerhĂ€ltnisse nirgendwo identisch sind. In Norrland ist die Grabesaison durch Frost und Bodenfrost kurz, und in Strömstad, wo es vor Touristen wimmelt, wenn es sich am besten graben lĂ€sst, gilt es, so effizient wie möglich zu arbeiten, um kein allzu großes Hindernis darzustellen. Viele FrĂ€sarbeiten sind nötig, und es dauert natĂŒrlich etwas lĂ€nger, sich mit den Maschinen durch das Gestein zu arbeiten. StrömstaNET verlegt oft gleichzeitig Frischwasser und Abwasser und unterhĂ€lt außerdem eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Asphaltierern – damit vor allem die Wiederherstellung schnell, effizient und ansprechend ausgefĂŒhrt wird. Eine Zusammenarbeit, die sehr geschĂ€tzt wird: Sowohl weil der Bauunternehmer als Vermittler fungiert, als auch wegen der Reibungslosigkeit, die fĂŒr die FlexibilitĂ€t nötig ist, auf die wir im GesprĂ€ch mit Karin und Anders immer wieder zurĂŒckkommen.

Bei StrömstaNET ist man stolz. Auf die Stadt, auf die besten Krabben der Welt, die von den Kosterfiskarna auf dem Markt am Wasser verkauft werden – und darauf, dass man eine Infrastruktur geschaffen hat, an die ein Haus nach dem anderen angeschlossen wird, und an der sich auch die Provinz beteiligen soll. Wer weiß – vielleicht entscheiden sich noch mehr der 60.000 Sommereinwohner, kĂŒnftig das ganze Jahr ĂŒber zu bleiben. Auf StrömstaNETs Website, auf der ihre Arbeit in einfachen Worten zusammengefasst wird, ist vielversprechend zu lesen:

“Dass das Glasfasernetz auch bis zu Ihrem GrundstĂŒck kommt, ist sicher.”

Kennzahlen fĂŒr Strömstad:
-12.750 Einwohner im Winter
-60.000 Einwohner im Sommer
-10 Millionen Besucher jÀhrlich
-3,6 Millionen Übernachtungen
-1 Million Touristen aus den nordischen LĂ€ndern, mehr als Stockholm
-1 Glasfaserkabel ist zwischen Halden, Norwegen und Strömstad verlegt
-Strömstads LebensmittelgeschĂ€fte haben dank der einkaufenden Norweger einen grĂ¶ĂŸeren Umsatz als ein großer Laden in Stockholm
-Entfernung zu norwegischen Grenze: 20 Kilometer
-Dauer der Schiffsfahrt von Norwegen: 20 Minuten
-Anzahl der AnschlĂŒsse im offenen Stadtnetz: 2.700